Inflation – gekommen, um zu bleiben?

Volle Innenstädte zeigen es deutlich: Nach dem langen „Corona-Stau“ haben die Menschen Riesenlust aufs Konsumieren. Die Nachfrage übersteigt bei manchen Waren das Angebot. Mit Folgen.

Die französischen Gartenstühle sind ein Hingucker: das Stück zu 129,- Euro.
Frage der Kundin: „Und wenn ich mehr davon haben möchte?“
„Die müssten wir bestellen. Sie kosten dann aber 149,- Euro.“ „Wieso das?“
„Lieferengpässe. Mit mindestens vier Wochen Wartezeit müssen Sie rechnen.“

Das Ticket für den Öffentlichen Nahverkehr, Energie-Preise,
Gemüse im Supermarkt, ein neues Fahrrad, die Packung Schokokekse von 130 Gramm auf 97 Gramm geschrumpft zum selben Preis, Kaffee, Hotelzimmer, Urlaubsreisen insgesamt: Teuerungen, und wohl jeder kennt inzwischen Beispiele, die ins Auge fallen.

Im Baumarkt fehlen diverse Holzprodukte, die neue Bremse fürs Fahrrad, die Solaranlage, das Notebook nach Wunsch… sind erst einmal nicht zu bekommen.
Die Engpässe treiben die Preise, bis der Nachfragestau aufgelöst ist, stark begehrte Güter und Halbfertigwaren wie etwa Halbleiter und Chips für die Automobilbranche und Computerfabriken wieder ausreichend lieferbar sind.

Wartezeiten fürs Wunschfahrrad

Was wohl bleibt: Metalle, Erze, Erden, Stahl, Mangan, Silizium, Palladium, Nickel, Blei… sind knappe und z.T. extrem verteuerte Rohstoffe, für die chemische Industrie natürlich Erdöl oder etwa Wolfram und Lithium …
Um 7,2% stiegen allein die Erzeugerpreise für gewerbliche Produkte,verglichen mit Mai 2020.
Im statistischen „Warenkorb“ für Verbraucher sind allerdings nach wie vor Mieten, Energie,Wasser,Verkehr, Freizeit und Unterhaltung die stärksten Kostenfaktoren.

Grund zur Sorge?

Die derzeitige Inflationsrate (Mai 20201) liegt bei 2,5 %, und bis Jahresende könnte sie bis auf 4% klettern, schätzt die Deutsche Bundesbank.
Beträchtliche Preissteigerungen für Vermögenswerte, z.B. Immobilien und Aktien, sind wie üblich nicht eingerechnet.
„Vorübergehend“ steige die Inflation, sagt Timo Wollmershäuser vom Münchner Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung, und so beurteilen es auch Bundesbank-Chef Jens Weidmann und die Europäische Zentralbank (EZB).

Nach dem extremen Tief ist die höhere Teuerung also erwartbar.
Für die nächsten Jahre setzen Europas Währungshüter auf moderate Preissteigerungen und eine Inflationsrate von unter 2 % in Deutschland.

Doch während die US-Wirtschaft so stark boomt, dass Finanzministerin Janet Yellen als Dämpfer leicht steigende Zinsen ab 2023 nicht ausschliesst, schauen deutsche Sparerinnen und Sparer weiterhin in die Röhre.

Arbeitskräftemangel  – und was daraus folgt

Roter Teppich für technisch – natuwissenschaftliche
Jobsuchende…

Die Corona-Flaute hatte Preise und Inflationsraten in den Keller getrieben.
Zur Normalität gehören nun auch steigende Löhne und Gehälter.
Die spannende Frage wird sein, wie stark die deutsche Wirtschaft in den nächsten Jahren zulegt, getrieben auch durch Digitalisierung und mehr Nachhaltigkeit.
Abhängig davon hätten Arbeitskräfte zunehmend gute Verhandlungspositionen.
Allein bis zum Jahr 2025 fehlen in Deutschland 2,9 Mio. überwiegend qualifizierte Arbeitskräfte, so hat das Basler Prognos-Institut schon 2019 gerechnet. Nicht zuletzt, weil geburtenstarke Jahrgänge beruflich ausscheiden.

…im Handwerk…

So ist nicht auszuschliessen, dass steigende Löhne und Gehälter Preise – und die Inflation – stärker treiben werden als bisher.

Dass Inflation also bleibt und nicht länger um den Nullpunkt herum dümpelt.

…im Baugewerbe

Beim Kieler Institut für Weltwirtschaft (ifw) rechnen die Konjunkturforscher indessen auch bis 2025 mit moderaten Inflationsraten um 2%.

Anders als in den USA ist bei der EZB aber von potenziellen Zinserhöhungen auch weiterhin keine Rede. Das Wachstum soll nicht beschädigt werden. Allenfalls würden sich die Währungshüter, als mögliche Preisdämpfer, mit der Politik des „lockeren Geldes“ stärker zurücknehmen, also weniger Anleihen von Staaten und Unternehmen kaufen, so EZB-Chefin Christine Lagarde.

Angesichts der exorbitanten Staatsschulden sind höhere Zinsen nach wie vor ein Schreckgespenst in Europa.
Obwohl – nach Lehrbuch – eine gute Konjunktur auch wieder die Steuersäckel prall füllen würde, mit genug Geld, um Schulden zu tilgen.

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